Es gibt viele Bücher über Hochbegabung, die meisten sagen dasselbe. Diese hier haben wir ausgewählt, weil sie je eine Frage beantworten, die Eltern in einer bestimmten Phase haben. Zu jedem steht, wofür es taugt.
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Tanja Sauer, Christian Thiele (GU)
Der kürzeste Weg von der Vermutung zur Orientierung: Woran erkennt man Hochbegabung, was brauchen diese Kinder, was können Eltern zu Hause tun. Klar, kompakt, ohne Fachjargon. Das Buch, das ich Eltern zuerst in die Hand geben würde.
Rund zwei Drittel geben fünf Sterne. Gelobt werden die vielen Alltagsbeispiele, der wertschätzende Blick aufs Kind und dass das Buch sofort umsetzbar ist; eine Kinderpsychiaterin nennt es «praktisch, verständlich, im Familienalltag sofort umsetzbar». Kritik: Der Titel führe in die Irre, es gehe zu grossen Teilen um überdurchschnittlich begabte Kinder, nicht nur um Hochbegabung, und einzelne finden es eher nett als tief.

Christa Rüssmann-Stöhr, Hagen Seibt
Aus der Beratungspraxis geschrieben, mit vielen Alltagssituationen: Trotz, Langeweile, Perfektionismus, Streit um Hausaufgaben. Für Eltern und Lehrpersonen gleichermassen, und deshalb auch gut, um es einer Lehrerin weiterzureichen.
Fast 90 Prozent vier oder fünf Sterne. Eltern schreiben, sie hätten ihre Kinder und deren Konflikte mit Lehrpersonen darin wiedererkannt; das Buch wird als bodenständig, gut lesbar und als Einstieg für Eltern und Lehrpersonen empfohlen, viele verleihen es weiter. Kritik: Es erkläre gut, warum das Kind Probleme hat, biete aber wenig konkrete Lösungen.

James T. Webb u. a. (Hogrefe)
Das Standardwerk. Webb hat in den USA die wichtigste Elternorganisation für Hochbegabung gegründet; hier steht alles, von Merkmalen über Perfektionismus, Geschwister und Freundschaften bis zu Schule und Abklärung. Dick, aber man liest es kapitelweise, je nachdem, was gerade brennt.
Über drei Viertel fünf Sterne. Der Tenor: das umfassendste Buch zum Thema, wissenschaftlich fundiert und trotzdem verständlich, «alles in einem Buch»; mehrere schreiben, der hohe Preis lohne sich. Hinweis aus den Rezensionen: Die ersten Kapitel helfen beim Verständnis, die hinteren sind zum Nachschlagen, nicht zum Durchlesen, und für Eltern von Kleinkindern sei es weniger geeignet als für Eltern von Jugendlichen.

Andrea Brackmann (Klett-Cotta)
Das meistgelesene deutschsprachige Buch zum Thema, geschrieben von einer Psychotherapeutin. Es erklärt die seelische Seite: warum diese Kinder intensiver fühlen, stärker wahrnehmen und sich oft fremd fühlen. Viele Eltern erkennen darin auch sich selbst.
Fast drei Viertel fünf Sterne, das meistrezensierte Buch der Liste. Auffällig viele Erwachsene schreiben, sie hätten sich selbst darin gefunden, obwohl sie es fürs Kind gekauft hatten; gelobt wird die leichte, lockere Sprache bei fachlichem Inhalt. Kritik: eine gegenderte Schreibweise, die einzelne im Lesefluss stört, und die Nähe zu Themen wie Autismus und Borderline, die nicht jede Familie braucht.

Anneke Breedijk, Noks Nauta (Beltz)
Für die Jahre ab zwölf: wie hochbegabte Jugendliche ticken, was sie brauchen, wo es kippt. Kurz und direkt, mit Stimmen von Jugendlichen selbst. Hilfreich, wenn das Kind, das früher alles wissen wollte, plötzlich alles verweigert.
Nur wenige Rezensionen, davon knapp zwei Drittel fünf Sterne und einige kritische. Wer es mag, findet «nie dagewesene, neue Inhalte» und Hilfe beim Verstehen hochbegabter Jugendlicher. Die kritischen Stimmen bemängeln, es bleibe an der Oberfläche und bringe für Eltern, die schon viel gelesen haben, wenig Neues.

James T. Webb u. a. (Hogrefe)
Unterforderung sieht aus wie ADHS, Intensität wie eine Störung, Langeweile wie Verweigerung. Dieses Buch zeigt, wo Hochbegabung mit anderen Diagnosen verwechselt wird und wo beides zusammen vorkommt. Eher fachlich, aber genau das, was man vor einer Abklärung gelesen haben sollte.
Rund 90 Prozent vier oder fünf Sterne; wird laut Rezensionen oft von Psychologinnen empfohlen. Gelobt: die klare Unterscheidung, wo Hochbegabung mit ADHS, Autismus oder Depression verwechselt wird, und dass Lehrpersonen und Therapeuten es lesen sollten. Kritik: Die Forschung darin sei älter als 2005 und bei der Übersetzung nicht aktualisiert worden; eine Ein-Stern-Bewertung betrifft nur ein verschmutztes Gebrauchtexemplar, nicht das Buch.

Caroline St. Ange (Rowohlt)
Kein Hochbegabungsbuch, aber das beste zum Thema Lernen, das ich kenne. Für Kinder, die alles sofort können wollen und aufgeben, wenn es nicht so ist, ist das der Schlüssel: wie Üben funktioniert, wie man dranbleibt, wie Eltern helfen, ohne zu drängen.
90 Prozent fünf Sterne bei über tausend Bewertungen, das bestbewertete Buch der Liste. Lehrpersonen empfehlen es an Elternabenden, Eltern schreiben, es habe ihnen «alte Schulwunden geheilt» und gelassener durchs erste Schuljahr geholfen. Vereinzelt wird die gegenderte Sprache kritisiert, inhaltlich gibt es fast keine Einwände.
Noch nicht sicher, ob Hochbegabung überhaupt das Thema ist? Dann zuerst die Checkliste mit 7 unterschätzten Anzeichen oder der 2-Minuten-Test.